Noras Welt – Mein Hoodie trifft deinen

Lesen Sie hier, wie mir ein Hoodie in der schönen neuen Post-Corona-Welt zum Verhängnis wurde. Oder vielleicht auch nicht? 

Was haben wir in der Corona-Krise beschworen, dass wir auch viele „Learnings“ mitnehmen werden. Learnings ist ein neudeutsches Wort und klingt einfach besser, als nur etwas zu lernen. 

Schöne neue Home-Office-Welt 

Und tatsächlich, einiges hat sich durch diese Pandemie geändert die, je nachdem, wen Sie fragen nun vorüber ist, demnächst zu Ende geht oder eben nicht. Sei’s drum. Das ist jetzt nicht der Punkt, sondern unsere „Learnings“. Wir beim RBS zum Beispiel verbringen nun viel mehr Zeit in unseren Home-Offices als früher. Tatsächlich arbeite ich da sehr effizient. Interessanterweise sind wir durch die regelmäßigen Kurz-Meetings, die wir am Start des Tages und nach der Mittagspause eingeplant haben, über die Ferne fast besser miteinander in Kontakt als vorher, als manche eben da und andere im Home-Office waren. Gleichzeitig schätzen wir die Flexibilität, die uns diese Arbeitsweise bringt. Für unsere Kunden, mit denen wir pre-pandemisch per Telefon und E-Mail in Kontakt waren, änderte sich faktisch wenig.  

Dazu gekommen sind die Online-Meetings. Die haben wir vorher noch recht wenig eingesetzt. Genaugenommen habe ich meine Kollegin im Stillen ein bisschen bewundert, wenn sie sagte, sie hätte jetzt noch eine Webex. „Was die nicht für innovative Sachen kann!“ Heute wundert das ja keinen mehr. Jedenfalls sind diese Online-Meetings ein sehr wertvoller Fortschritt für uns. Viele unserer Reportagen haben wir bislang per Telefon recherchiert. Unseren Kunden und dessen Anwender gleichzeitig zu befragen, war früher nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Heute braucht es einen Link und wir sind alle auf einem Bildschirm vereint. Man kann mir sogar während des Interviews das Produkt oder die Produktion zeigen und das obwohl wir hunderte Kilometer auseinander sind. Das bringt viel mehr Einsicht, als ich vorher gewinnen konnte und gibt unseren Texten noch mehr Gehalt.  

Probleme, die es vorher nicht gab 

Aber eben ein solches Meeting wurde mir nun zum Verhängnis. Ich hatte es nämlich nicht eingeplant. Vielmehr war ich auf internen Büroumzug eingestellt. Arbeitsplätze samt Möbel tauschen und so was. Weil das tatsächlich nur vor Ort geht, war ich an eben jenem Montag in unserem Büro aufgeschlagen. Mit Akkuschrauber und Arbeitskleidung, gleichzeitig mit der Meeting-Erinnerung poppten Schweißperlen auf meiner Stirn auf. Ich blickte an mir und meinem Micky-Maus-Hoodie herab: „Kann ich so ins Webmeeting?“ fragte ich meine Kollegin, mit deren Kundin ich gleich ein Gespräch haben würde. Früher wäre das kein Problem gewesen, da hätten wir telefoniert.  

Aber zum Glück haben wir uns nicht nur technisch weiterentwickelt. Ich finde, in viele unserer Geschäftsbeziehungen ist mehr Menschlichkeit reingekommen dadurch, dass man in einem Ausnahmezustand von Home-Office zu Home-Office miteinander verbunden war. Da kam mal ein Kind ins Meeting mit einer Frage zum Home-Schooling oder das Schlagzeug im Hintergrund gab Einblick in Hobbys des Gegenübers. Meine Beobachtung: Wir sind etwas persönlicher und lockerer geworden in unseren Meetings. Und so kam es an jenem Montag, dass meine Schweißperlen völlig überflüssig waren (ich habe sie für den Text auch ein wenig aufgebauscht …). Warum? Mein Gegenüber trug auch einen Hoodie. Ebenfalls in grau. Lediglich die Micky Maus fehlte.  

Foto: Nikitabuida – Freepik.com

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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