Schreiben ist nur die halbe Miete (Teil 1 – Redigieren)

Erfolgreiche Texte sind nicht nach dem Schreiben fertig. Dann beginnt erst ein wichtiger Teil der Arbeit. In dieser Mini-Serie befassen wir uns mit zwei Aufgaben, die nach dem Schreiben wichtig sind, um einen Text erfolgreich zu machen: Redigieren und Verteilen.

Wenn der letzte Punkt eines Textes gesetzt wurde, ist bereits viel Arbeit erledigt. Im Idealfall wurden Ziel und Zielgruppe für den Text benannt, Inhalte recherchiert, strukturiert und formuliert. Viele sehen das Textprojekt hier als abgeschlossen an. Aber das wäre so, als würde man ein gerade produziertes Produkt nicht in die Qualitätskontrolle geben und anschließend nicht verkaufen.

Eine Checkliste, um Texte richtig zu redigieren

Nach dem Schreiben folgt das Redigieren. Das Wort kommt aus dem Lateinischen (redigere, was unter anderem „in Ordnung bringen“ bedeutet). Im deutschen Sprachgebrauch meint man damit: Ein Text wird final bearbeitet, sodass er reif für eine Veröffentlichung ist. Das bedeutet, er wird sprachlich und inhaltlich optimiert.

Dabei gibt es aber ein Problem: Direkt nach dem Schreiben steckt der Autor noch so tief in der Materie drin, dass ihm manche Fehler oder schwer verständliche Stellen gar nicht auffallen können. Daher sollte man den Text entweder vor dem Redigieren einige Tage liegen lassen oder mindestens eine weitere Kollegin oder einen Kollegen in den Prozess mit einbinden. Außenstehende sind unvoreingenommen und entdecken Schwachstellen eines Textes leichter. Ganz egal welche Form man wählt, im Idealfall liest man einen Text im Redigierprozess mehrfach und arbeitet sich dadurch nach und nach durch folgende Checkliste:

Auf einen Blick:
  • Rechtschreibung, Zeichensetzung & Grammatik
  • Wortwahl
  • Stilbrüche
  • Verständlichkeit
  • Struktur
  • Technische Richtigkeit
  • Querlesercheck

Rechtschreibung, Zeichensetzung & Grammatik

Eigentlich sollte man es nicht sagen müssen, aber ich erlebe immer wieder Redakteure, die bewusst hervorheben, wenn Sie Texte ohne diese Fehler bekommen. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering. Aber allein Fehler rund um Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zu korrigieren, macht einen Text deutlich besser lesbar.

Wortwahl

Hier gilt es einerseits auf „kosmetische“ Dinge wie Füllwörter und Wortwiederholungen zu achten. Andererseits sollten Sie beim Redigieren aber auch prüfen, ob alle Wörter, die Sie verwenden, verstanden werden. Benutzen sie zu viele Fremdwörter, Fachausdrücke oder Abkürzungen? Dabei ist es wichtig, die Zielgruppe und deren Vorkenntnisse im Zusammenhang des Themas im Blick zu haben. Je nachdem müssen Sie auf manche Fremdwörter oder Fachausdrücke verzichten, diese ausführlicher erklären oder Abkürzungen (zumindest einmal) ausschreiben.

Stilbrüche

Auch das fällt einem beim Lesen mit Abstand meist auf: Gibt es Stilbrüche im Text? Das passiert zum Beispiel dann, wenn beim Schreiben längere Pausen eingelegt oder Textpassagen aus anderen Texten übernommen werden.

Verständlichkeit

Kommen die Kernaussage und alle anderen Erläuterungen im Text verständlich rüber? Gibt es logische Brüche, die es dem Leser schwer machen, einer bestimmten Argumentation zu folgen? Gerade an dieser Stelle ist das Feedback von außenstehenden Personen sehr hilfreich. Denn dem Schreiber selbst erscheint das, was er geschrieben hat, normalerweise verständlich.

Struktur

Ist ein roter Faden im Text erkennbar? Ist die gesamte Argumentation des Textes schlüssig aufgebaut? Folgt ein Abschnitt logisch auf den nächsten? Sind Themen klar voneinander abgetrennt? Oder wird ein Thema z.B. in Abschnitt zwei behandelt, taucht aber in Abschnitt vier und sieben noch einmal auf, obwohl es dort gar nicht hingehört?

Technische Richtigkeit

Sind die technischen Aussagen im Text korrekt? Gibt es an manchen Stellen sachliche Fehler? Sind alle im Text gemachten Berechnungen richtig? Besser Sie prüfen Zahlenangaben einmal mehr und rechnen zugelieferte Berechnungen noch einmal nach.

Querlesercheck

Abschließend sollte man einmal nur Überschriften, Bildunterschriften und die Einleitung lesen und sich fragen: Ist die Kernaussage des Textes darin abgebildet? Machen diese Textblöcke Lust aufs Weiterlesen? Welches Thema des Textes fehlt in diesen Blöcken vielleicht noch? Viele Leser entscheiden nur anhand dieser Elemente und der Bilder, ob sie einen Text lesen oder nicht. Deshalb sind die passenden Formulierungen in diesen Teilen des Textes besonders wichtig.

Bild: destina – Fotolia

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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