Nachhaltiges Marketing

Ist es unsere deutsche Gründlichkeit, die uns manchmal davon abhält, konkrete Aussagen zu machen? Immer wieder ist zu beobachten, dass sich Autoren und Autorinnen von Fachartikeln scheuen, konkrete Zahlen zu nennen. Fehlt die empirische Grundlage für eine Aussage, ist natürlich Vorsicht geboten. Ist dem geneigten Leser oder der Leserin allerdings klar, dass die Zahlen vorliegen müssen, wird es leicht verdächtig.  

„Das Produkt besteht zum Teil aus biozirkulärem und recycelten Kunstoffen“ las ich heute in einer Fachzeitschrift. Erfreulich, dass sich das Thema Nachhaltigkeit zunehmend seinen Weg bahnt in die Automatisierungsbranche. Weniger erfreulich ist allerdings, dass viele das Thema im Wesentlichen aus marketingtechnischer Sicht belegen und hinter der grünen Fassade oft wenig Substanz ist. Letzteres lässt obige Aussage ohne konkrete Zahlenangaben vermuten. 

Ganz oder gar nicht 

Nun mag es verschiedene Gründe geben, warum man konkrete Zahlen nicht nennt, und ich möchte hier nichts Falsches unterstellen. Der einfachste Grund ist der: Man kennt sie nicht. Bei der Produktion eines Produktes allerdings sollten – so es den heutigen Qualitätsanforderungen entspricht – alle eingesetzten Komponenten genau bekannt sein. Bleibt die Vermutung, dass man die Zahl nicht nennen wollte, weil sie peinlich gering ist. Auch dafür mag es wiederum verschiedene Gründe geben. Zum Beispiel ist denkbar, dass die geforderten Qualitätskriterien keinen höheren Einsatz recycelter Kunststoffe erlaubt. Dann wäre es sinnvoll, die Zahl zu benennen mitsamt einer Begründung. Ein anderer Grund könnte sein, dass man sich schlicht einen grünen Anstrich geben wollte. Es ist nachvollziehbar, dass viele kurzfristig auf einen Marketingtrend aufspringen wollen. Langfristig ist eine grüne Fassade mit grauem Kern aber sicher nicht imageförderlich. Eine Kommunikation und Selbstdarstellung, die außer aus viel Aufgeblasenem aus nichts besteht, ist keine Herangehensweise, die wir unseren Kundinnen und Kunden empfehlen. Qualität, Zuverlässigkeit und Authentizität dagegen sind aus unserer Sicht Grundlage einer nachhaltigen Marketing-Kommunikation.  

Foto: Freepik

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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