Wie viele Freunde brauche ich?

Getreu dem Motto „Viel hilft viel“ werden heute Kontakte in sozialen Netzwerken gesammelt und gehortet. Ich denke irgendwie mehr in die Richtung: Allzu viel ist ungesund. Warum?

Immer wieder höre und lese ich die Klagen über die Informationsflut der heutigen Zeit. Sicher, viele Informationen erhalte ich, ohne sie wirklich zu wollen. Manche Informationsberge sind aber durchaus selbst verschuldet.

513 Kontakte sind wenig

Wie viele Kontakte sind wirklich sinnvoll? (Bilder: opencliparts.org)

Wie viele Kontakte sind wirklich sinnvoll? (Bilder: opencliparts.org)

Beim Verteilen unserer Pressetexte haben wir immer propagiert, den Verteiler so exakt wie möglich auf den Text zuzuschneiden. Warum? Weil eine übermäßige Penetrierung mit Informationen, die nicht in das Umfeld eines Redakteurs passen, irgendwann dazu führen wird, dass er generell alle meine Informationen ignoriert (siehe „Einzige Lösung: Offensive Nutzung des Spam-Filters“). Das kenne ich doch irgendwo her? Ach ja, da gibt es so ein paar Spezialisten im sozialen Netzwerk, das ich privat nutze. Ich muss wirklich nicht wissen, wann sich Hans welches Lied anhört. Ergo: Beiträge von Hans lese ich schon lange nicht mehr.

In meinem Business-Netzwerk soll ich jetzt aber möglichst viele Freunde haben. Oder Kontakte oder wie sie jeweils heißen. Kürzlich hörte ich in einem Webinar den Satz: „Ah, diese Person ist jetzt noch nicht so aktiv hier im Netzwerk. Sie hat ja gerade mal 513 Kontakte.“ Eine Frage: Wie viele Informationen haben Sie, die jeweils für die gleichen 513 Leute interessant sind?

Informationen zielgruppenorientiert verteilen

Richtig, gute Netzwerke bieten die Möglichkeit, meine Kontakte in verschiedene Gruppen zu stecken. Ich kann also einer Person die Schlagworte „Automatisierungstechnik“, „Pferdefreund“ und „Salsa“ zuordnen. Dann schicke ich die Informationen zum nächsten Pferderennen immer nur an den passenden Personenkreis. Machen Sie das oder ist Ihnen der Aufwand dafür zu groß? Wenn sie das nicht tun, bleibt eigentlich nur die direkte Ansprache einzelner. Wie groß darf mein Netzwerk sein, dass mir das noch möglich ist? Denn mein Netzwerken und mein wirkliches Arbeiten müssen ja in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

Wenn alle senden und keiner empfängt …

Zurück zu unseren maßgeschneiderten Verteilern. Wir haben momentan ca. 960 Redaktionen in der Datenbank und ca. 1.900 Redakteure, die wir je nach Thema gezielt anschreiben. Das würden wir „Freihand“ niemals schaffen. Zur Vorauswahl haben wir uns die entsprechenden technischen Tools entwickelt. Ich wage zu behaupten, dass sich zu viele Kontakte im sozialen Netzwerk auch nur so handhaben lassen.

Am besten bringt man die ganze Problematik vielleicht so auf den Punkt: „Alle wollen nur senden, keiner will mehr empfangen.“ Dass diese Rechnung letzten Endes nicht aufgehen kann, ist klar.

Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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