Nora fragt den Redakteur

Wie arbeiten Redaktionen in Corona-Zeiten?

Dr. Peter Ebert, Ressortleiter Bildverarbeitung, Messtechnik & Sensorik, SPS-MAGAZIN und Chefredakteur inVISION (TeDo Verlag)

Dr. Peter Ebert, Ressortleiter Bildverarbeitung, Messtechnik & Sensorik, SPS-MAGAZIN und Chefredakteur inVISION (TeDo Verlag)

Wie läuft die Arbeit in der Redaktion ab? Was ist dem Redakteur wichtig? Wer sein Gegenüber kennt, kann besser mit ihm zusammenarbeiten. Deshalb wollen wir in dieser Reihe Redakteure zu Wort kommen lassen. Heute spricht Nora mit Dr.-Ing. Peter Ebert, Ressortleiter Bildverarbeitung, Messtechnik & Sensorik, SPS-MAGAZIN und Chefredakteur inVISION (TeDo Verlag), wie die Corona-Krise seinen Arbeitsalltag verändert.

Wie geht es dir? Und wie verändert die Corona-Krise deinen Alltag?

Mir geht es gut, danke. Bei mir ändert sich derzeit einerseits wenig. Ich bin seit acht Jahren im Homeoffice und an Telefonkonferenzen mit den Kollegen des TeDo-Verlags gewöhnt. Wir arbeiten ja verteilt über ganz Deutschland. Andererseits fallen jetzt aber Pressekonferenzen, Firmenbesuche und auch Messen weg.

Welche Herausforderungen stellt die aktuelle Situation an eure Redaktion?

Es wird schwieriger, die wirklich interessanten und individuellen Themen zu finden. Gerade Messen sind für uns wichtige Informationsquellen. Im eins-zu-eins Gespräch kommen eher Ideen auf, die eigentlich nicht Kern des Gesprächs waren, für mich als Redakteur aber durchaus interessant sind. Produkte, die bei den Firmen angedacht, aber noch nicht spruchreif sind zum Beispiel. Weiß ich davon, kann ich zu gegebener Zeit daran anknüpfen. Auch Firmen zu finden, die interessante Themen haben, mir aber noch nicht bekannt sind, wird schwieriger. Auf der Messe läuft man eher zufällig an einer neuen Firma vorbei und entdeckt Neues. Das passiert jetzt vielleicht am ehesten über Plattformen wie LinkedIn.

Wie verändert sich eure Heftplanung? Ein Orientierungspunkt dafür sind ja Messen, die jetzt alle abgesagt werden …

An der inhaltlichen Heftplanung und den Erscheinungsterminen ändert sich erst einmal gar nichts. Die geplanten Themen und Ausgaben bleiben bestehen.

Ergeben sich durch die aktuelle Situation veränderte Anforderungen an zugelieferte Texte?

Eigentlich nicht. Man sollte nach wie vor in seinem Pressetext nicht so viel „Weihrauch aufsteigen lassen“, also nicht ständig das eigene Unternehmen oder Produkt loben. Neuheiten und der Anwendernutzen machen den Kern eines Pressetextes aus, daran ändert auch Corona nichts.

Hat sich das Text-Lieferverhalten und das Anzeigenverhalten der Firmen verändert?

Anfangs hat man gemerkt, dass einige Firmen mit dem Umzug ins Homeoffice beschäftigt waren. Inzwischen werden Texte wieder wie gewohnt zugeliefert. Bei den Anzeigen spüren wir einen Rückgang. Gleichzeitig erleben wir gerade eine Verschiebung in Richtung Online. Unsere Newsletter sind momentan extrem gefragt und wer Anzeigen schaltet, tendiert mehr in Richtung Online.

Wie reagiert dein Verlag auf die veränderte Situation?

Der Bedarf nach Networking besteht ja nach wie vor, auch wenn die Messen wegfallen. Wir haben jetzt drei Online-Messen, die im Mai an den Start gehen: Die Industry-Show, die inVision-Show und die Smart Robotics-Show (https://messe.i-need.de/ ).

Nimmst du ein persönliches „Learning“ mit aus der Krise?

Mir ist noch einmal sehr deutlich geworden, wie wichtig die persönlichen Begegnungen sind, weil man dabei einfach so viele Informationen aufsammeln kann. Vieles ist heute online und über soziale Medien möglich. Aber den persönlichen Kontakt ersetzt es einfach nicht, gerade in Hinblick auf die bereits genannten „Zufallsfunde“.

Vielen Dank für diesen Einblick. Abschließend hätte ich noch paar Fragen, die wir in dieser Reihe allen Interviewpartnern stellen …

Das begeistert mich an meinem Job:

Ich bin inzwischen weit mehr als 20 Jahre dabei und doch bleibt der Job immer noch spannend. Ich liebe es, technologische Entwicklungen zu verfolgen. Zu sehen, wie Probleme lösbar werden und Neues entsteht. Und dann liebe ich das Vernetzen, das Kennenlernen neuer Menschen und ich finde die „Jagd“ nach Infos spannend. Es ist immer mein Ziel, meinen Lesern Innovationen als Erster präsentieren zu können.

Das kann mich bei meiner Arbeit auf die Palme bringen:

Autoren, die bis zuletzt sagen, dass sie einen Text noch liefern und es dann doch nicht tun. Oder solche, die 15.000 Anschläge liefern, wenn 5.000 abgesprochen waren. Texte, die reine Werbebotschaften sind. Oder Texte, die eigentlich Interessantes enthalten, das aber im Marketing-Geplapper untergeht.

Damit kann man mich bei meiner Arbeit glücklich machen:

Es macht mich immer noch stolz, wenn ich ein fertiges Heft in der Hand halte und sagen kann, das habe ich – natürlich zusammen mit Layout und der Anzeigenabteilung – gestaltet. Glücklich macht mich aber auch immer wieder Leserfeedback, das mir vermittelt, dass es sich gelohnt hat, unsere Zeitschrift zu lesen, weil wir Lesern wertvolle Infos liefern.

Peter, vielen Dank für das Gespräch!


Dieser Beitrag gehört zur Serie: Nora fragt den Redakteur
Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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