Warum das Medium den Schreibstil beeinflusst

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Wo man über ein bestimmtes Thema schreibt, hat wesentlichen Einfluss darauf, wie man darüber schreibt. Klingt banal? Wird aber oft nicht beachtet.

Die Zielgruppe Ihrer Webseite, Firmenbroschüre und einer Fachzeitschrift kann durchaus dieselbe sein. Trotzdem müssen Sie Texte für all diese Medien unterschiedlich gestalten. Wieso? Beobachten Sie sich doch mal selbst: Besuchen Sie eine Webseite oder halten Sie den Flyer einer Firma in Händen, wundern Sie sich keinesfalls, wenn der Text darin werblich gehalten ist. Firmen- und Produktnamen tauchen darin mehrfach auf, viele Superlative werden verwendet, der Text ist eventuell sogar in Wir-Form geschrieben. Natürlich sollte es auch Unterschiede geben zwischen Webseiten- und Flyertexten. Diese sind jedoch deutlich geringer als zwischen Werbematerial und einem Fachartikel.

Werbliche Fachartikel? Ein No-Go!

Auf der Webseite und im Flyer verzeihen wir die werbliche Sprache. Warum? Uns ist die Quelle klar: Hinter diesen Texten steht eine Firma, die sich selbst besonders gut darstellen will. Mit diesem Wissen im Hinterkopf lesen wir die angebotenen Informationen und bewerten die genannten „Fakten“. Bei einem Fachartikel sieht es jedoch anders aus. Hier erwarten wir, dass ein Redakteur einen Beitrag ausgewogen recherchiert und alle Fakten gecheckt hat. Zumindest in der Theorie. Dass es in der Praxis eventuell anders aussieht, steht auf einem anderen Blatt.

So reduzieren Sie Ihre Veröffentlichungs-Chancen in guten Fachzeitschriften deutlich

Öffnen wir als Leser eine Zeitschrift, deren Texte zu offenkundig herausschreien, dass sie nicht von einer neutralen Instanz geschrieben oder zumindest geprüft wurden, legen wir sie schnell weg und bewerten sie als „minderwertig“. Natürlich hat kein Redakteur Interesse daran, dass seinem Magazin ein solches Qualitätsmerkmal verliehen wird. Fehlt ihm die Zeit, Beiträge komplett selbst zu recherchieren und zu schreiben, prüft er die zugesandten Materialien daraufhin, ob sie vom Leser als neutrale, interessante Information oder plumpe Werbung wahrgenommen werden. Inflationäre Nennung von Firmen- und Produktnamen, Superlative oder gar die Wir-Perspektive werden dann zu Ausschlusskriterien für eine Veröffentlichung. Sie können also Ihre Fachartikel im gleichen Stil wie Ihre Firmenbroschüre schreiben, die Veröffentlichungschancen in guten Fachzeitschriften reduzieren Sie damit jedoch deutlich.

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Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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