Sei selbst der Leser

Oberstes Ziel von PR-Abteilungen ist es, das eigene Produkt gut darzustellen. Dabei schlagen sie oft etwas über die Stränge. Wie ist das bei Ihnen? Wie Texte auf den Leser wirken, findet man am besten heraus, indem man selbst zum Leser wird.

Wo nur zu offensichtlich ist, dass mir nicht ein Redakteur, sondern der Hersteller ein Produkt an­preist, lese ich nicht weiter.
Zugegeben, berufsbedingt kann ich nicht verdrängen, wie Texte in den meisten Fachzeitschriften entstehen: Leider greift gerade bei Produktmeldungen selten ein Redakteur zur „Feder“ . Vielmehr preisen hier Hersteller selbst ihre Produkte an. Auf einer Fertighausausstellung nahm ich kürzlich einige Fachzeitschriften zum „Häuslebauen“ mit und wurde einmal wieder ausgiebiger als sonst selbst zum Leser. Und was beobachte ich? Wo nur zu offensichtlich ist, dass mir nicht ein Redakteur, sondern der Hersteller direkt ein Produkt anpreist, lese ich nicht weiter. Zugegeben, das ist etwas vorschnell, das Produkt könnte ja trotzdem gut sein. Aber ich suche in Fachzeitschriften objektive Information und nicht Werbung. Das geht den meisten Ihrer Anwender wohl genauso. Und auch die wissen in der Regel, wie der Hase läuft, sind sie doch selbst mit ihrem Unternehmen in irgendeiner Form mit Pressearbeit aktiv.

Gestolpert bin ich zum Beispiel über „super komfortabel“ oder „top modern“
Was können Sie also für Ihre Pressearbeit daraus lernen? Schreiben Sie so sachlich, wie Sie können. Sie tun sich selbst damit den größten Gefallen. Und werden Sie selbst zum Leser und schauen Sie, welche Formulierungen Sie abstoßen, oder Ihnen deutlich zeigen, dass Sie hier nicht neutral informiert werden. Gestolpert bin ich zum Beispiel über „super komfortabel“ oder „top modern“ , ich kenne keinen seriösen Redakteur, der so etwas ernsthaft schreiben würde. Und schalten Sie Ihren Kopf beim Schreiben nicht aus, dann können Sie in der Regel unnötige Pleonasmen vermeiden wie die „aktuellsten Neuigkeiten“. Auch das habe ich nicht erfunden, sondern in einer Fachzeitschrift gelesen. Gibt es denn auch alte Neuigkeiten? Sicher, aber die gehören dann in die Zeitung von gestern und wie sehr uns die interessiert, wissen Sie ja.

Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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