Pressearbeit falsch gemacht

<a href='https://de.freepik.com/fotos/geschaeft'>Geschäft Foto erstellt von freepik - de.freepik.com</a>Manchmal läuft eine Presseaktion nicht gut und es ist nur schwer nachvollziehbar warum. Ein Grund könnten klassische Fehler beim E-Mail-Anschreiben sein. Dazu lernen wir von einem realen Negativbeispiel.

Als Presseagentur erhalten wir immer wieder auch Pressetexte von Unternehmen mit der Bitte um Veröffentlichung, obwohl wir keine Zeitschrift haben, in der wir Pressetexte abdrucken könnten. So bekommen wir im Jahr weit über hundert Anschreiben anderer zu Gesicht. Ein solches Beispiel wollen wir heute näher betrachten und sehen, was man hätte besser machen können.

Sehr geehrte Redakteurin, sehr geehrter Redakteur,

beiliegend senden wir Ihnen eine Pressemitteilung (als Word- & PDF-Datei) über unseren ***Produktname***. Dazu ein Paar Bilder.

Wir glauben, dass diese Mitteilung für die Leser Ihrer Zeitschrift oder Webseite von Interesse sein werden und bedanken uns im Voraus für die Veröffentlichung.

Bei Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

Verteiler

Wenn schon wir, die wir keine eigene Zeitschrift haben, den Text zur Veröffentlichung zugesandt bekommen, lässt es vermuten, dass hier nicht sehr sorgfältig gearbeitet wurde. Für das Erstellen eines Verteilers sollte jedoch gelten: Klasse statt Masse. Jede unnötige Mail, die nicht im übervollen Postfach des Redakteurs landet, erleichtert ihm das Arbeiten. Andersherum betrachtet: Belästigen Sie einen Redakteur zu oft mit Themen, die ihn nicht betreffen, steigt die Chance, dass er Sie auf die virtuelle Filterliste in seinem Kopf setzt und Ihre Mail auch dann löscht, wenn das Thema doch einmal interessant für ihn wäre.

Anrede

„Sehr geehrte Redakteurin, sehr geehrter Redakteur,…“ ist eine extrem unpersönliche Anrede. Damit landet die Mail gedanklich schnell in der Ecke „Massenmail“ oder „Werbung“. Persönlich adressierte Mails haben einen viel höheren Stellenwert. Die Wirkung, die eine individuelle Anrede hat, sollten Sie daher nicht unterschätzen. Und das muss man heute längst nicht mehr von Hand erledigen. Es gibt verschiedene Tools, die automatisch aus einer gut gepflegten Datenbank ein „Liebe Frau Crocoll“ erstellen; das lese ich doch gleich viel lieber. Wir gehen sogar so weit, in unserer Datenbank zu hinterlegen, wer bei uns im Haus mit welchem Redakteur per Du ist. Entsprechend passen wir die Anrede und das Anschreiben an.

Wichtige Fragen beantworten

„Wir glauben, dass diese Mitteilung für die Leser Ihrer Zeitschrift oder Webseite von Interesse sein werden…“ Neben der Frage nach der Rechtschreibung drängt sich mir noch eine andere auf: Warum? Und das hat nichts damit zu tun, dass ich super neugierig bin. Der Mensch tickt so. Er sucht Antworten auf genau diese Frage. Deshalb sollte bereits im E-Mail-Anschreiben geklärt werden, warum ein Redakteur den angehängten Text drucken sollte. Ihn mit zusätzlichen Klicks aufzuhalten und dann erst merken zu lassen, dass der Text doch nicht passt, kostet wertvolle Arbeitszeit und ist schlichtweg ärgerlich. Vermutlich ist das Angebot inzwischen schon durchs Raster gefallen, oder hält sich noch mit letzter Kraft. Wenn ein Redakteur nun nicht auf einen Blick sieht, warum das für ihn relevant ist, landet die Mail im Papierkorb. Schließlich warten noch 50 weitere.

Rechtschreibung und Grammatik

Zuletzt sei noch auf die Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Mail hingewiesen. Haben Sie sie gefunden? Fehler sind menschlich, aber so viele in einem Copy-Paste-Anschreiben zeugen nicht gerade von einer großen Wertschätzung gegenüber dem Adressaten.

Fazit: Am Ende ist es die Summe aus allem, die den Ton macht. Sie schreiben doch auch nicht Ihrer Tante Erna:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin knapp bei Kase. Ich bedanke mich im Voraus für die Unterstützung. Bei Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

Nora

Titelbild: Geschäft Foto erstellt von freepik – de.freepik.com

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Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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