Noras Welt: Kreativ auf Knopfdruck

Kreativität ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und dabei nützlich oder brauchbar ist. Demnach müssen auch Technikjournalisten kreativ sein und das auf Knopfdruck. Aber geht das eigentlich?

Nachmittags so zwischen drei und vier klemmt mein Gehirn meistens. Jetzt ist 15:41 und ich soll einen Text über „Kreativität auf Knopfdruck“ schreiben. Na prima! Zum Glück habe ich schon letzte Woche ein paar Stichworte gesammelt, wie ich Kreativität verstehe und was mir hilft, kreativ zu sein.

Wo fange ich nur an?

Einen kreativen Einstieg habe ich selten auf Anhieb. Zuerst geht es eher nüchtern zu: Ich sammle Fakten zum Thema. Dann kläre ich die wichtigste Frage: Warum schreibe ich genau darüber? Was haben die Leser davon? Dann nutze ich für unsere Fachartikel immer einen gewissen Rahmen: Ich starte mit einer Einleitung, mit der ich Lust mache aufs Weiterlesen. Hier kläre ich das Warum. In den nächsten Abschnitten erkläre ich das Wie und Was. Dabei strukturiere ich den Text so, dass weiter hinten die nicht so wichtigen Infos auftauchen. Warum: Kürzt ein Redakteur schnell, dann von hinten nach vorne. So stelle ich sicher, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen. Alles, was nice to have aber nicht essentiell ist, kommt deshalb nach hinten.

Struktur schafft Raum für Kreativität

Ich merke: Zu viele Freiheitsgrade überfordern mich und hemmen letzten Endes meine Kreativität. Die zuvor erwähnte Textstruktur hilft mir nun dabei, innerhalb der einzelnen Textblöcke kreativ zu werden. Ich muss das Genre Fachartikel nicht jeden Tag neu erfinden, um einen ansprechenden Text zu schreiben. Den meisten Hirnschmalz stecke ich in die Einleitung. Finde ich einen bildhaften Vergleich, um den Kern des Textes zu veranschaulichen? Gibt es ein Ereignis, das viele Leser betrifft, Gemeinsamkeit schafft und sie so in den Text zieht? Kann ich humorvoll einsteigen? Ein Leser, der schmunzelt, bleibt eher am Ball.

Wenn gar nichts geht…

Trotzdem geht an manchen Tagen gar nichts. Dann helfen mir verschiedene Tricks: Den Druck rausnehmen, Mini-Pausen einlegen, stupide Tätigkeiten dazwischenschieben. Im Büro auf und ab gehen, einen Kaffee aus der Maschine lassen oder das Homeoffice staubsaugen. Auch ein Perspektivwechsel hilft: Was beschäftigt meinen Leser?

Wunderbar sind zudem Gespräche mit Kollegen. Ich erzähle, was ich schreiben soll und wo es klemmt. Oft kommen da schon die Ideen von ganz alleine. Oder meine Kollegen haben einen frischen Blick auf die Sache und bringen Neues mit ein. Sind gerade keine Kollegen greifbar, tut es der Trick mit dem Luftballon: Einfach ein Gesicht aufmalen und mit dem netten Kerl sprechen. Fühlt sich komisch an, hilft aber.

Routine hilft bei Kreativität

In vielen Fällen fällt auch im Gespräch mit meinen Kunden DER Satz, bei dem ich merke, dass er perfekt ist für den Einstieg oder dass ich in diese Richtung noch ein bisschen weiter recherchieren muss, um dann die Leser mit diesem Gedanken abholen zu können. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür. Routine hilft so gesehen sogar ein bisschen bei Kreativität. Wenn gar nichts geht, muss ich einen Text auch mal über Nacht liegen lassen. Heute hatte ich Glück, und konnte meinen Beitrag ohne fremde Hilfe und ohne drüber zu schlafen zu Ende bringen.

Übrigens: Nicht nur wir Autoren müssen im RBS kreativ arbeiten. Unser Textvertrieb steckt immer wieder viel Kreativität in seine Mailings. Wie die Kreativitätsprozesse da aussehen, beschreibt Marco in der nächsten Tipps-Ausgabe.

Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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