Virtuelle Produktbilder

Auslöser drücken und fertig ist das Produktfoto. In den seltensten Fällen ist es so einfach. Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, Produkte nicht zu fotografieren, sondern Bilder aus 3D-Daten zu generieren. Unser Kollege Niki Hüttner verrät warum.

Nora Crocoll: Ist es nicht das Einfachste, meine Produkte zu fotografieren anstatt mit 3D-Bildern arbeiten?

Niki Hüttner www.close-cut.de

Niki Hüttner: Ja, in vielen Fällen vermutlich schon, denn grundsätzlich ist der Initialaufwand beim Rendern etwas höher. Aber es gibt verschiedene Gründe, dennoch mit 3D-Modellen zu arbeiten: Beispielsweise wenn man ein Produkt bereits im Entwicklungsstadium für Datenblätter, Kataloge, (Presse)Veröffentlichung usw. visuell darstellen will. Sinnvoll können die gerenderten Bilder auch dann sein, wenn man das Produkt aus verschiedene Perspektiven oder vor unterschiedlichen Hintergründen zeigen will. Ein fotografiertes Produkt muss man immer erst aufwändig freistellen, bevor es sich mit einem anderen Bild kombinieren lässt. Dieser Aufwand entfällt bei gerenderten Bildern ebenso wie das Retuschieren. Es gibt keine verschmutzen Linsen, ungewollte Spiegelungen, Fehler auf dem Produkt oder Ähnliches. Natürlich wirken die gerenderten Bilder manches Mal ein bisschen zu perfekt oder künstlich. Hier kann man aber Abhilfe schaffen, indem man mit entsprechenden Filtern „Störungen“ generiert. Zudem lassen sich auch Schnittbilder generieren, die einen Einblick in ein Gerät ermöglichen. Ein weiterer Vorteil: Man kann ein Produkt beliebig ein- oder umfärben.

Crocoll: Was brauchst du von deinen Kunden, um solche Bilder zu erstellen?

In vielen Fällen sind gerenderte Bilder eine sehr gute Alternative zu Fotos.

In vielen Fällen sind gerenderte Bilder eine sehr gute Alternative zu Fotos (Beispiel beck GmbH)

Hüttner: Ich brauche ein CAD-systemneutrales Datenformat, vorzugsweise STEP-Dateien des jeweiligen Motivs. Zudem wird mir die Arbeit erleichtert und ich kann schneller Ergebnisse liefern, wenn die Baugruppenstrukturen bereits in der CAD-Datei integriert sind. Ansonsten kommt Handarbeit ins Spiel: Ich muss Oberflächen aus verschiedenen Materialien von Hand aufteilen, damit ich sie entsprechend einfärben und mit Texturen versehen kann.

Crocoll: Wie schnell kannst du liefern?

Hüttner: Das hängt sehr von der Größe des Auftrags und meiner aktuellen Auslastung ab. Generell kann man aber sagen, dass Serien von Bildern im Vergleich zu fotografierten Serien schneller geliefert werden können, weil die sehr zeitaufwändige Endretusche wegfällt.

Crocoll: Was war bisher dein interessantester Auftrag?

Gerendertes Schnittmodell eines Antriebs von ebm-papst

Gerendertes Schnittmodell eines Antriebs von ebm-papst.

Hüttner: Am spannendsten war für mich bisher das Schnittmodell eines Antriebs von ebm-Papst zu erstellen. Da musste ich die verschiedenen Schichten selbst „auseinanderdröseln“ und mich dazu auch in die technischen Aspekte einarbeiten, wie ein Elektro-Motor generell aufgebaut ist und funktioniert. Das war also nicht nur aus grafischer, sondern auch aus technischer Sicht interessant für mich.

Alle Bilder: Niki Hüttner / ebm-papst / beck

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Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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