Qualitätssicherung bei Pressetexten

Schreiben ist ein kreativer Prozess. Wie gelingt es einem Redaktionsbüro mit verschiedenen Autoren Pressetexte gleichbleibende Qualität zu liefern? Ein Interview mit Alex Homburg, Geschäftsführer Redaktionsbüro Stutensee.

Redaktion: Wie viele Texte schreiben rbs-Autoren jährlich?

Homburg: Das ist von Jahr zu Jahr etwas unterschiedlich. 2016 waren es 144 Texte, überwiegend längere Fachartikel.

Redaktion: Und alle sind gleich gut?

Homburg: Selbstverständlich [schmunzelt]. Natürlich ist Schreiben ein kreativer Prozess. Nicht jeder Text ist gleich gut. Manche Themen geben viel Stoff für sehr gute Texte, andere eher weniger. Und unsere Autoren sind auch nur Menschen, die nicht immer einen guten Tag haben. Dennoch ist uns konstante Qualität extrem wichtig.

Redaktion: Wie vermeidet ihr große Qualitätsschwankungen?

Alex Homburg, Geschäftsführer Redaktionsbüro Stutensee.

Homburg: Wenn man einen Text schreibt, hilft es, ihn einige Tage beiseitezulegen und dann mit etwas Abstand noch einmal zu lesen. Viele Probleme fallen einem dann sofort auf, die man zuvor nicht sah, als man tief im Schreibprozess steckte. Aber selten wollen unsere Kunden so lange warten. Wir haben daher vor Jahren einen Qualitätssicherungsprozess eingeführt. Unsere Autoren halten während des Schreibprozesses untereinander Rücksprache, wenn sie inhaltlich oder strukturell einen außergewöhnlichen Text vor sich haben. Und sie prüfen ihre Texte gegenseitig. Der Kollege oder die Kollegin dient also als „Erstleser“ und gibt Feedback, welche Formulierungen missverständlich oder unschön sind, oder wo es sonst so bei einem Text „klemmt“. Natürlich sagen sie sich auch gegenseitig, was gut gelöst ist. Daraus kann man ja auch für die Zukunft lernen.

Redaktion: Was ist aus Deiner Sicht ein guter Text?

Ein Fachartikel umso besser, je öfter er veröffentlicht wird.

Homburg: Die Qualität eines Textes objektiv zu messen ist natürlich nicht möglich. Rilke beherrschte sein Handwerk, sein Stil wäre aber in mancher Dissertation fehl am Platze. Wir verfolgen einen sehr pragmatischen Ansatz: Texte werden für einen Zweck geschrieben. Wenn ich einen Liebesbrief schreibe und am nächsten Tag nicht mehr Single bin, war der Brief vermutlich nicht ganz schlecht …

Redaktion: … Oder der Verfasser ist reich, berühmt und sieht gut aus?

Homburg: Das ist natürlich die Krux. Für den Markterfolg sind viele Faktoren entscheidend. Deshalb orientieren wir uns an der ersten Hürde und sagen: Ein Fachartikel ist gut, wenn er veröffentlicht wird und besser, wenn er öfter veröffentlicht wird.

Redaktion: Was sind typische Ursachen für schlechte Textqualität?

Drei elementare Schwächen: Struktur, Struktur und Struktur.

Homburg: Mein Freundeskreis weiß natürlich: „Der Alex macht doch so was, der soll da mal drüber lesen.“ Bei Amateur-Texten sind es aus meiner Sicht selten sprachliche Probleme. Natürlich stören z.B. Wiederholungen den Lesefluss usw. Neben mangelndem Content sehe ich jedoch meist drei elementare Schwächen: Struktur, Struktur und Struktur. Wenn diese nicht stimmt, verliere ich den Leser. Und er erreicht nie den Höhepunkt: meinen genialen Schluss. Das halte ich übrigens für einen Kardinalfehler beim Strukturieren. Mal ehrlich, wie viele Artikel liest Du bis zum Ende? Das Leseverhalten unterscheidet sich deutlich von dem eines Krimis.

Redaktion: Bietet ihr Textoptimierung auch als Dienstleistung an?

Homburg: Nein!

Redaktion: Warum nicht?

Homburg: Wie bereits gesagt steht und fällt die Textqualität mit Struktur und Inhalt. Wenn das bei einem Text stimmt, kann man sprachlich optimieren. Aber dann gibt es oft wenig Luft nach oben. Stimmt das nicht, ist es mit sprachlicher Umarbeitung allein nicht getan. Dann müssten wir recherchieren, ein neues Textkonzept entwickeln und große Teile oder gar den ganzen Text neu schreiben.

Redaktion: Dem Ingenieur ist nichts zu schwer … das Schreiben aber manchmal schon. Wie kommen eure Ingenieure in diese fremde Welt?

Ingenieure zeichnen ihre analytischen Fähigkeiten aus. Davon profitieren Fachartikel

Homburg: Ich höre oft, dass „dem Ingenieur“ das Schreiben verhasst ist. Das ist schade, denn diese Menschen haben meist große analytische Fähigkeiten und gehen Aufgaben sehr strukturiert an; beides tut Fachtexten sehr gut. Ich persönlich profitiere von meiner Erfahrung als Software-Entwickler. Programmiersprachen sind vielleicht nicht sehr blumig aber sie erzwingen eine strikte Logik.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Teilen Sie diesen Beitrag:
Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.