Noras Welt: Ich bin ein Gateway

„Expertenproblem“ nennen wir es, wenn ein Entwickler zu detailverliebt von seinem Produkt berichtet und damit oft an den Bedürfnissen seines Anwenders vorbei kommuniziert. Oder aber, wenn ihm der Perspektivenwechsel von seiner Sicht zu der des Kunden einfach nicht gelingen mag.


Eigentlich haben sie ja durchaus gemeinsame Interessen, die Produktentwickler und ihre Anwender. Aber dennoch treffen oft zwei Welten aufeinander. Da tüftelt einer wochenlang an der Lösung eines Problems und bleibt dann gerne mal im Detail hängen. Erläutert ein Produktentwickler also die Vorzüge eines neuen Produkts, neigt er dazu darüber zu sprechen, was ihm bei der Entwicklung die meiste Zeit und die meisten Nerven gekostet hat. Den Anwender interessiert das oft nicht die Bohne, er will wissen, welche Vorteile ihm das neue Produkt, die neue Software, das Lösungskonzept oder was auch immer bringt.

Hier komme ich ins Spiel…

Ich transportiere das Know-how vom Entwickler zum Anwender.
Nicht selten muss ich mich selbst ja rechtfertigen. Also nicht unbedingt mich, aber das was ich tue. Ich sage es den Techniker jetzt mal so: Ich bin eine Kommunikationsschnittstelle oder ein Gateway. Ich transportiere das Know-how aus Ihrem Unternehmen zu denen da draußen und verwende deren „Protokoll“.
Bevor ich mich jetzt doch anfange zu rechtfertigen ein triviales Beispiel, wie man oft in seiner eigenen Welt gefangen ist. Kürzlich bekam ich vom Kunden die Korrektur meines Textes zugeschickt. Da las ich unter anderem: „… und somit für den reibungslosen Ablauf auf der Baustelle, sorgen mussten.“ Baustelle? Ja richtig, mein Kunde steckte noch ganz in seinem Projekt fest, es war eine Baustelle. Für seinen Kunden sollte es aber einmal eine funktionierende Anlage werden. Eine Kleinigkeit? Sicher und irgendwie doch nicht. Denn aus Sicht des Anwenders macht es einen riesigen Unterschied, ob er eine funktionierende Anlage kauft oder eine Baustelle. Sie fühlen, wie ich denke?

Kleines Wort, großes Fettnäpfchen

Ein Produkt nicht bis ins Detail zu verstehen, kann auch ein Vorteil sein!
Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie ich mit einem kleinen Wort ganz groß ins Fettnäpfchen treten kann, wenn es mir nicht gelingt, meine Sicht mit der meines Lesers abzugleichen. Den Anwender im Blick haben ist die wichtigste Sache, wenn ich einen Text schreibe. Das zieht sich durch bei Textstruktur und Wortwahl bis dahin, welche Details ich erklären muss und welche eben nicht. Sicher lasse auch ich nicht jedes Fettnäpfchen aus. Aber was mir manche als Nachteil auslegen, nämlich dass ich ihre Produkte nicht bis ins letzte Detail verstehen kann, scheint mir viel öfter als Vorteil. Ich habe von Haus aus das Expertenproblem nicht und bringe eher die Sicht des Anwenders mit.

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Nora Crocoll

Nora Crocoll

Hat Technische Redaktion studiert und arbeitet seit 2005 als freie Technik-Journalistin für das rbs. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich der Pressearbeit für die Automatisierungsbranche hat sie im Praxisbuch "Wirkungsvolle Produkt-PR: Einblicke in die Welt der Fachpresse" zusammengefasst.

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