Gastkommentar: Naht das Ende der Fachzeitschrift?

Wer kennt die Bedürfnisse eines Redakteurs besser als ein Redakteur selbst? Deshalb lassen wir immer wieder gern Redakteure in unseren „Tipps für die Pressearbeit“ zu Wort kommen, heute Harald Grobholz, Chefredakteur von Industrial Quality.
Harald Grobholz, Chefredakteur Industrial Quality

Harald Grobholz, Chefredakteur Industrial Quality

Fachzeitschriften sind eine besondere Spezies. Sie sind in der Regel für den Empfänger kostenlos und nicht im freien Zeitschriftenhandel erhältlich. Um sie zu bekommen, muss sich der Bezieher qualifizieren. Im Klartext heißt das: Er muss in die Zielgruppe der speziellen Fachthematik passen. Branche, Position, Aufgabenbereich und Funktion müssen stimmen. Damit versuchen wir sogenannte „Streuverluste“ möglichst zu vermeiden, also Exemplare, die nicht gelesen und weggeworfen werden. Allein dies zu steuern, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Nicht weniger anspruchsvoll ist es, die Inhalte aktuell und zielgruppengerecht zu generieren. Wir Fachjournalisten sind deshalb mehr als Informationssammler und -vermittler zu sehen und sind bemüht, diese Informationen über neue Produkte und deren praxisorientierte Anwendung auf dem Silbertablett auf den richtigen Schreibtisch zu bringen. Die Betonung liegt hier auf „bringen“.

Finanzierung von Fachzeitschriften?

Stellt sich natürlich die Frage, wie sich das Ganze finanziert. Die Antwort kennen Sie sicher, sie ist ganz einfach: durch Werbung. Die Unternehmen, deren Kunden (auch potenzielle Kunden) die Leser sind, bringen über uns ihre Informationen direkt zum Anwender (auch hier ist „bringen“ der Knackpunkt). Und zwar, so war es zumindest bisher, über die beiden Schienen Redaktion und Anzeigenwerbung. Eine „Hand in Hand“ Partnerschaft von Industrie und Fachzeitschrift. Nun aber dreht sich das Blatt: Unternehmen wenden sich zunehmend vom Printmedium ab und setzen voll auf den Online-Hype.

Den Kunden aus dem Blick verloren?

Bei 5.000 Facebook „Freunden“ haben manche den Kunden völlig aus den Augen verloren.
Mancher Marketingverantwortliche schwebt über den Wolken mit seinen 5.000 Facebook „Freunden“, hat aber seinen Kunden völlig aus den Augen verloren. Und da heute ja ohnehin jedes Unternehmen online ist, dürfen (oder müssen) potenzielle Kunde wieder auf die Suche gehen, um das geeignete Produkt oder die optimale Problemlösung zu finden. „Bringen“ ist out. Die Etats für die Printwerbung werden eklatant gekürzt oder ganz gestrichen. Es wird also kurz bis mittelfristig keine oder nur noch wenige Fachzeitschriften geben. Das spiegelt sich auch in der Industrial Quality wieder. Rein thematisch könnte sie oft den zwei- oder dreifachen Umfang erreichen. An interessanten Informationen mangelt es nicht. Wir werden nach wie vor überschüttet mit Informationen aus der Industrie. Aber dafür bezahlen wollen immer weniger. Vielleicht ist man ja am Kunden auch nicht mehr interessiert?

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